ÖH Wahl 2017

Unsere Spitzenkandidatin Maria Gasteiger

Marita Gasteiger ist bundesweite Spitzenkandidatin der GRAS, der Grünen & Alternativen Student_innen bei den ÖH-Wahlen 2017. Sie wird dafür eintreten, die schwierige finanzielle Situation der Student_innen zu verbessern, den freien Hochschulzugang auszubauen und aktiv gegen Diskriminierung und Ausschlüsse vorgehen.

Marita Gasteiger wurde am 19. Februar 1991 in Bruneck/Italien geboren. 2010 maturierte sie als erste in ihrer Familie am dortigen Humanistischen Gymnasium und zog anschließend nach Wien, um Slawistik zu studieren. 2011 wurde sie zur Studienvertreterin gewählt, drei Jahre später schloss sie ihren Bachelor ab. Daneben engagierte sie sich lange Zeit an der Außenstelle Wien der Südtiroler HochschülerInnenschaft (sh.asus). Ab 2014 war sie Sachbearbeiterin der Österreichischen Hochschüler_innenschaft an der Universität Wien, seitdem ist sie auch in der GRAS aktiv. Im Wintersemester 2015/16 begann sie das Masterstudium Interdisziplinäre Osteuropastudien an der Universität Wien.

Marita verbrachte das letzte Semester passend zu ihrem Studium auf einem Auslandssemester in Vilnius/Litauen. Sie veröffentlichte seit 2011 zahlreiche Texte sowohl literarischer als auch wissenschaftlicher und journalistischer Natur. Als freie Mitarbeiterin war sie für die Wiener Straßenzeitung “Augustin” sowie für den öffentlich-rechtlichen Radiosender Rai-Südtirol tätig. 2012 gewann sie den Alexander-Langer-Dramaturgie-Preis für ihr Theaterstück “Was ist das für ein Land?”.

ÖH-Erfahrung sammelte Marita als Sachbearbeiterin im Referat für Öffentlichkeitsarbeit an der ÖH Uni Wien. Sie war bis zu Beginn ihres Auslandssemesters Vorsitzende des Ausschusses für internationale Angelegenheiten der ÖH-Bundesvertretung sowie Mandatarin sowohl der ÖH-Bundesvertretung als auch der ÖH Uni Wien.

WIR WOLLEN MEHR! – GRAS Wahlprogramm 2017

Die Situation der österreichischen Hochschulpolitik ist prekär. Zum einen wälzen die seit Jahrzehnten unterfinanzierten Hochschulen den Druck in Form von Knock-Out-Prüfungen und ähnlich exklusiven Maßnahmen auf Student_innen ab. Zum anderen macht sich neben der besorgniserregenden globalen Entwicklungen auch ein elitäres Bildungsverständnis breit, das auf der Vorstellung beruht, der Zugang zur Bildung solle bestimmten, privilegierten Gruppen vorbehalten bleiben. Gleichzeitig verschärft sich der soziale Druck: Die Armutsbetroffenheit von Student_innen – derzeit bei 26 Prozent – ist seit Jahren im Steigen, staatliche Auffangnetze wie Beihilfen sichern keine Existenzgrundlage mehr. Bildung und damit auch Hochschulbildung wird zusehends als Ware oder gar als eigener Wirtschaftssektor gesehen: Der Diskurs dreht sich nicht darum, wie Menschen der Zugang zu Bildung ermöglicht wird, sondern wie viel und welche Bildung “gebraucht” wird und am Arbeitsmarkt notwendig ist.

Die Grünen & Alternativen Student_innen, die GRAS, stellen sich diesen Entwicklungen entgegen!

Wir sehen Studierendenvertretung als emanzipatorischen und umfassenden Auftrag – denn wir alle sind von den besorgniserregenden Entwicklungen betroffen. Ob drohende Zugangsbeschränkungen, Gewalt gegen marginalisierte Gruppen, strukturelle Diskriminierung oder finanzieller Druck: Es betrifft genau dich! Und genau du kannst etwas tun, damit die Österreichische Hochschüler_innenschaft diesen umfassenden Auftrag auch wahrnimmt: Wähl die GRAS!

Von 16. bis 18. Mai 2017 kannst du deine Stimme abgeben – für eine solidarische, laute und kritische Studierendenvertretung!

Selbstbestimmt studieren – unsere Vision von Hochschule

Verschulte Studienpläne, zahllose Fristen für Inskriptionen, Aufnahmetests – oder auch nicht – Voraussetzungsketten, Knock-out-Prüfungen – selbstbestimmt ist am aktuellen Hochschulsystem nicht viel. Je nachdem in welchem Sektor wir uns bewegen – ob Privatuniversitäten, Fachhochschulen, öffentliche Universitäten oder Pädagogische Hochschulen – gibt es ganz unterschiedliche Voraussetzungen, die für Student_innen mehr oder weniger Freiheiten, mehr oder weniger Möglichkeiten, aber auch mehr oder weniger Rechte bedeuten.

Die Hochschule ist für die GRAS kein Elfenbeinturm, sondern ein Ort der intensiven Auseinandersetzung auf Augenhöhe, ein Ort der Diskurse und gleichzeitig ein Ort, an dem soziale Mechanismen genauso wirken, wie überall sonst auch. Die Hochschule ist Teil der Gesellschaft und als solcher auch relevant für deren Entwicklung.

Einheitlicher Hochschulsektor: Gleiche Rechte für alle!

Vier Hochschulsektoren, zwei Ministerien – dass das kompliziert wird, ist offensichtlich. Noch schlimmer ist aber, dass studieren nicht gleich studieren ist: Je nachdem an welcher Hochschule du studierst, hast du unterschiedliche Rechte. Fachhochschulen sind beispielsweise privatrechtlich verankert: Student_innen dort haben nicht nur erheblich weniger Rechte als ihre Kolleg_innen an Universitäten, sie müssen diese auch noch privatrechtlich einklagen – was massive finanzielle und zeitliche Ressourcen erfordert. Wir wollen einen einheitlichen Hochschulsektor – gleiche Rechte für alle!

Freier Hochschulzugang

Jede_r muss studieren können, wenn er_sie das möchte! Bildung sieht die GRAS als Menschenrecht an – sie muss allen zugänglich sein. Den drohenden Zugangsbeschränkungen der Regierung muss sich eine laute ÖH entgegenstellen. Nach wie vor ist Hochschulbildung in Österreich unterfinanziert: Von den mindestens 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die laut OECD  in die Bildung investiert werden sollen, sind wir noch weit entfernt!

Auch wenn die Regierung noch nicht von flächendeckenden Beschränkungen spricht: Die Verdrängungseffekte werden langfristig dazu führen. Beobachten lässt sich das bereits jetzt in den Fächern Medizin, Pharmazie und Biologie, die nacheinander beschränkt wurden. Eine beinahe unüberwindbare Hürde bedeuten Zugangsbeschränkungen vor allem für Studieninteressierte mit Beeinträchtigung.

Ausfinanzierte Hochschulen

Sowohl im Koalitionsübereinkommen der rot-schwarzen Regierung als auch in den Empfehlungen der OECD steht seit Jahren die Forderung, 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in Hochschulen zu investieren. Derzeit stehen wir bei etwa 1,4 Prozent. Diese massive Unterfinanzierung hat an den Hochschulen zu dramatischen Entwicklungen geführt: schlechte und veraltete Infrastruktur, kaum Plätze in Seminaren, überfüllte Hörsäle, da nicht genug Parallellehrveranstaltungen angeboten werden können.

Die GRAS fordert die Regierung auf, ihre eigenen Vorsätze endlich umzusetzen und dem entsprechend zumindest 2 Prozent des BIP’s in die Hochschulen zu investieren.

Orientierung im Studium

Wenn Schüler_innen an die Hochschule kommen, wissen sie oft gar nicht, was sie erwartet – woher auch? Die ÖH-Bundesvertretung bietet Beratung, Hilfestellung und Möglichkeiten, verschiedene Studienrichtungen kennenzulernen – doch eine echte Orientierung kann nur Teil des Studiums sein. Die GRAS fordert daher eine Eingangs- und Orientierungsphase, die ihrem Namen auch gerecht wird: nicht, um Student_innen aus dem Studium zu prüfen, sondern um eine Orientierung an der Hochschule zu ermöglichen. Student_innen können in dieser Eingangsphase im Ausmaß von 30 ECTS Lehrveranstaltungen aus verschiedenen Studienrichtungen und auch an verschiedenen Hochschulen absolvieren, die ihnen dann in ihrem Studium angerechnet werden.

Strategie in puncto Durchlässigkeit

Von Büro zu Büro laufen, Unterschriften einholen – abhängig vom Gutdünken der Studienprogrammleitungen, wir kennen es alle. Dabei ist die Anerkennung auch von informellen und non formalen Lernerfolgen ein längst anerkannter Faktor für die soziale Durchlässigkeit an Hochschulen. Um eine dringend notwendige systematische und flächendeckende Strategie der vertikalen (also zwischen zwei Studienabschlüssen) und horizontalen (also zwischen zwei Studienrichtungen) Durchlässigkeit zu erarbeiten, ist ein partizipativer Prozess notwendig, in dem gerade die Erfahrungen der Student_innen eine Rolle spielen müssen.

Didaktik braucht keine Anwesenheitspflicht

Die Lehre an der Hochschule ist der Forschung immer noch untergeordnet. Darunter leidet die größte Gruppe – nämlich die Student_innen. Auch die Einführung des Ars docendi führte nicht zur Aufwertung der Lehre. Lehrende haben grundsätzlich die Möglichkeit, sich in puncto Lehre und Didaktik weiterzubilden, genutzt wird dies nur von wenigen.

Um ein Barometer für die Didaktik zu schaffen, wurde bereits in mehreren deutschen Bundesländern (etwa Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein) die Anwesenheitspflicht grundsätzlich abgeschafft. Ausnahme bilden dort nur noch Lehrveranstaltungen, in denen das Lernziel nur mit Anwesenheit erreicht werden kann – etwa Exkursionen, Seminare, Praktika und Sprachübungen. In Österreich gibt es nach wie vor zahlreiche Lehrveranstaltungen, deren Anwesenheitspflicht grundsätzlich nicht notwendig ist – an Pädagogischen Hochschulen, an Fachhochschulen, aber auch an manchen Universitäten. Wir sind der Auffassung: Didaktik braucht keine Anwesenheitspflicht, selbstbestimmt studieren heißt, auch selbst darüber zu entscheiden, wann, wo und wie ich mir die Inhalte aneignen kann.

Queerfeminismus – Nicht nur ein Stück vom Kuchen, sondern die ganze Bäckerei

Der antifeministische Backlash ist längst zum Mainstream geworden. Egal, ob es um körperliche Selbstbestimmung, um sexualisierte Gewalt, die gläserne Decke, ungleiche Bezahlung oder reaktionäre Rollenbilder geht – wir leben immer noch in patriarchalen Strukturen. So sind weniger als ein Viertel der Professor_innen weiblich*. Dies liegt nicht an einem Mangel an qualifizierten oder motivierten Frauen*, sondern an gesellschaftlich bedingten Hindernissen und Barrieren, die Frauen* den Aufstieg in (gut bezahlte!) Spitzenpositionen an Hochschulen, in der Forschung, ebenso wie in anderen Berufszweigen, verwehren. Gleichzeitig arbeiten Frauen* verstärkt in prekären und unsicheren Arbeitsverhältnissen. Die GRAS steht für eine umfassende und nachhaltige Förderung von FLIT*Personen und gegen Ausschlüsse und Diskriminierung.

Werkzeug Quote

Nach wie vor ist die Quote das erfolgreichste Förderungswerkzeug. Wenn Quoten an Hochschulen etabliert sind, dann sind sie – beispielsweise in den Kollegialorganen von öffentlichen Universitäten – mit 40% beziffert. Rational argumentierbar ist diese Ungleichheit nicht – und solange es  um den Frauenanteil an Hochschulen derart schlecht bestellt ist, auch nicht zielführend. Als GRAS stehen wir nicht nur für theoretische Gleichberechtigung sondern für faktische Gleichbehandlung.

Institutionalisierte Gleichbehandlung statt Gutdünken

Gerade Gleichbehandlung ist ein kaum institutionalisierter Aspekt: An Pädagogischen Hochschulen und Universitäten gibt es zwar die sogenannten Arbeitskreise für Gleichbehandlungsfragen, ihr Handlungsspielraum ist aber gering: Sie haben in Abstimmungen lediglich eine Stimme, kein Veto-Recht, wenn ein Fall von Diskriminierung vorliegt. An Fachhochschulen und Privatuniversitäten sind derartige Institutionen kaum vorhanden, da sie privatrechtlich organisiert sind. Selbiges gilt für Frauenförderungspläne: Dabei handelt es sich um Lippenbekenntnisse der Hochschulen, die den Versuch einer Förderstrategie darstellen. Sanktionen bei Verstößen dagegen, gibt es allerdings keine. Denkbar sind etwa finanzielle Anreize für Hochschulen, die ihre Frauenförderungspläne entsprechend umsetzen.

Wir fordern die Institutionalisierung der Gleichstellungspolitik – an allen Hochschulen!

Habilitation abschaffen!

Die Habilitation ist ein veraltetes System, welches in Deutschland und Österreich und wenigen europäischen Staaten existiert. Sie stellt die volle Lehrbefähigung an der Hochschule dar. Gerade für Lehrende aus dem Ausland bedeutet diese Voraussetzung, dass sie in Österreich erst mal ihre Habilitation machen müssen, ehe sie selbstständig lehren können. Die Universität Wien hielt in ihrer Publikation zum 650-Jahr-Jubiläum klar fest, dass es sich mit der Habilitation um den eklatantesten Bruch in den Karriereläufen von Frauen handelt. Auf den Zahlen von 2010 basierend bedeutet das: Während der Frauenanteil unter Doktoratsabsolvent_innen noch 56% betrug, beträgt er unter bei den Habilitant_innen nur noch 37%.

Wir wollen die Habilitation als Bedingung für gut bezahlte Lehrposten auf der Karriereleiter abschaffen und damit Durchlässigkeit schaffen. Lehre kann und muss schließlich durch andere Kriterien vergeben werden als durch die einmalige Habilitation.

Gender Studies in allen Studiengängen

Für eine egalitäre Gesellschaft ist die Auseinandersetzung mit den ihr immanenten Diskriminierungsformen unerlässlich. Sexismus ist kein Gefühl der Benachteiligung sondern ein strukturelles Phänomen, das sich durch alle Lebensbereiche zieht. Dies aufzuzeigen und dem entgegenzuwirken ist Teil der gesellschaftlichen Aufgabe der Hochschulen. Noch immer sind Gender Studies aber in vielen Studienrichtungen unterrepräsentiert, nur als Wahlfach vorgesehen oder aber gar nicht eingeplant. Umgesetzt wird dies beispielsweise bereits an der Universität Linz.

Eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Thema kann beispielsweise in einer Orientierungsphase ihren Platz finden.

Finanzierung der Gender Studies

Die Akquirierung von Forschungsgeldern, das Weiterführen der Studiengänge mit Bezug zu Gender Studies gestaltet sich immer wieder als schwierig. Letztes Beispiel ist die Publizistik an der Universität Wien, wo mit dem neuen Studienplan die feministische Lehre aus dem Curriculum verbannt wurde. Wir fordern auch in Fragen der Curricula-Gestaltung den Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen hinzuzuziehen, ihn dementsprechend auch mit Geldmitteln auszustatten sowie bundesweite Förderungen spezifisch für Geschlechterforschung zu vergeben.

Sensibilisierung aller Hochschulangehörigen

Durchschnittlich war jede dritte Frau* in der Europäischen Union seit ihrem 15. Lebensjahr schon einmal Opfer von Männergewalt – dies ergab eine Studie der Europäischen Grundrechteagentur 2014. Bei geschlechterbasierter Gewalt, handelt sich um ein gesellschaftliches Phänomen, von dem auch Hochschulen betroffen sind: Unter Beweis gestellt wurde das in den letzten Jahren vermehrt: Egal ob am Juridicum der Uni Wien oder an der WU – alle Hochschulangehörigen müssen dafür sensibilisiert werden, was Grenzüberschreitungen sind, dass sie diese zu vermeiden haben und wie sie damit umgehen sollen, wenn andere dies nicht tun.

Sozialpolitik – der leere Kühlschrank

Die Probleme von Student_innen beginnen nicht mit dem Betreten der Universität und hören nicht auf mit dem Verlassen des Gebäudes. Politik für Student_innen muss über Serviceleistungen hinausgehen. Studentisches Wohnen wird immer teurer, und der Kühlschrank füllt sich auch nicht durch Zauberhand – die finanzielle Situation für Student_innen in Österreich wird prekärer.

Mittlerweile sind 26 Prozent der Student_innen von finanziellen Schwierigkeiten betroffen. Vor allem Student_innen mit Beeinträchtigungen, Alleinerzieher_innen und internationale Student_innen deren Muttersprache nicht Deutsch ist, stehen immer häufiger vor finanziellen Problemen. 60 Prozent der Student_innen sind neben ihrem Studium erwerbstätig, während die Zahl der Beihilfebezieher_innen stetig abnimmt – momentan profitieren lediglich 12 Prozent der Student_innen vom Beihilfesystem. Wer von seinen Eltern nicht unterstützt wird, kann überhaupt nicht studieren. Es ist untragbar, dass sich Menschen gegen ein bestimmtes Studium bzw. überhaupt gegen ein Studium entscheiden müssen, weil ihr finanzieller Background nicht ausreichend ist – die familiäre Abhängigkeit ist auch für Student_innen, denen ein Studium finanziert wird, problematisch. Es gibt keine reichen Student_innen, es gibt nur reiche Eltern.

Deswegen fordert die GRAS eine finanzielle Absicherung für alle Student_innen. Mit einem existenzsichernden Grundstipendium von 838 Euro im Monat für alle ordentlichen Student_innen wollen wir dem etwas entgegensetzen.

Stipendien für alle

Das existenzsichernde Grundstipendium ist ein Modell, das es in Dänemark bereits gibt. Die Idee dahinter ist es, Student_innen unabhängig von ihrem familiären Hintergrund ein selbstbestimmtes Studium zu gewährleisten, auf das sie sich auch konzentrieren können. Es soll finanziellen Druck wegnehmen, der auch zu gesundheitlichen Folgen führen kann. Abgesehen davon entlastet ein solches Grundstipendium die Familien der Student_innen sowie den Arbeitsmarkt.

Die positiven und auch finanziellen Folgen des Grundstipendiums wiegen seine Kosten auf. Es soll in der Höhe der bedarfsorientierten Mindestsicherung ausbezahlt werden und das 12 Monate im Jahr. Die Gesamtkosten würden sich für 2017 auf 2,81 Mia. Euro belaufen.

Die Finanzierung setzt sich aus mehreren verschiedenen Faktoren zusammen:

  • Familienbeihilfe und des Kinderabsetzbetrag für Student_innen fallen weg.
  • Kosten der derzeitigen Studienbeihilfe fallen weg. Diese soll ab Herbst 2017 auf 225 Mio. Euro erhöht werden.
  • Nachdem davon auszugehen ist, dass zahlreiche Student_innen dann nicht mehr oder wesentlich weniger arbeiten würden, wären zahlreiche Arbeitsplätze frei. Dies führt zu einer Kostenreduktion im Bereich des AMS
  • Der höhere Konsum der bei den Familien und Student_innen durch das Grundstipendium entsteht, schafft wiederum neue Arbeitsplätze und senkt damit die Kosten des AMS.
  • Die so geschaffene Beschäftigungswirkung führt außerdem zu höheren Einnahmen des Staates im Bereich der Lohnsteuer und Sozialversicherung. Außerdem senkt er die Ausgaben in der Pensions- und Arbeitslosenversicherung.
  • Zusätzliche Einnahmen entstehen außerdem aus den Verbrauchssteuern in Folge des höheren Privatkonsums.

Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

 

Brutto-Kosten des Grundstipendiums 2.813.794.765 Euro
Einsparung Familienbeihilfe & Kinderabsetzbetrag 447.976.092 Euro
Einsparung Studienbeihilfe (Erhöhung von 2017) 225.000.000 Euro
Verhaltensänderung (AMS-Einsparung) 339.309.750 Euro
Privater Konsum (AMS-Einsparung) 546.021.000 Euro
Einnahmen aus privatem Konsum (Beschäftigungswirkung) 608.907.789 Euro
Einnahme aus privatem Konsum(aus indirekten Steuern) 419.381.052 Euro
Summe +167.199.082 Euro

 

Ökologische Hochschulen – weil wir alle dieselbe Luft atmen!

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit im Alltag – und damit auch im Alltag an der Hochschule – wird heute von niemandem mehr bestritten. Obwohl Mülltrennen, Papier sparen und weitere grundlegende Maßnahmen längst zum Standard-Repertoire auch der Hochschulen gehört, bleibt ein umfassender Prozess, der alle Hochschulangehörigen umfasst, zumeist aus. Obwohl es das Netzwerk nachhaltiger Universitäten gibt, bleibt dies auf wenige Hochschulen innerhalb eines Hochschulsektors beschränkt. Was notwendig ist, ist ein flächendeckendes Vorgehen auf systemischer Ebene.

Nachhaltige Hochschulen

Dem Ziel, Hochschulen nachhaltig zu gestalten, kann sich heute niemand mehr verwehren. Die Frage ist vielmehr, wer und wie eine solche Entwicklung geleitet und vorangetrieben werden kann und soll: Für einen umfassenden Anstoß ist es unerlässlich auch die Student_innen in den Prozess mit einzubinden. Als zahlenmäßig größte Gruppe an der Hochschule können sie nicht nur ihre Erfahrungen aus dem Alltag, sondern auch ihre Expertise in dem Bereich einbringen. Hochschulinterne Kick-off-Veranstaltungen, Arbeitsgruppen unter Beteiligung der Student_innen, Kongresse und Vernetzungstreffen können Teil einer solchen, langfristigen Strategie sein.

Nicht losgelöst davon ist die inhaltliche Ebene zu betrachten: Nachhaltigkeit beinhaltet immer die soziale, ökologische und ökonomische Dimension. Weiter gedacht bedeutet das, dass ökologische Grundsätze nie nur von ökologischer Seite betrachtet werden dürfen – auch weitere Komponenten fließen ein und müssen mitgedacht werden.

Nutzung digitaler Medien

Es gibt bereits einiges an Voraussetzungen dafür, Inhalte digital zu nutzen und Student_innen zur Verfügung zu stellen. Auch wenn es immer wieder Fortbildungen für Lehrende gibt, wie sie online-Plattformen weiter nutzen können, so ist vielen nach wie vor immer noch nicht klar, wie, in welchem Ausmaß und unter welchen Umständen Lehrmaterialien wo und wie hochgeladen werden dürfen und können.

Mit einher geht hierbei auch die Frage, wer Zugang zu digitalen Ressourcen hat: Staatlich finanzierte Forschung wird in privatwirtschaftlich organisierten Papers publiziert und von staatlich finanzierten Hochschulen “zurückgekauft”, damit die Student_innen Zugang darauf haben – ein Widerspruch in sich.

Fahrradwege – Fahrradständer

Nach wie vor sind angenehme Fahrradwege in zahlreichen Hochschulstandorten eher selten: eine schmale Spur auf der Straße, umständlich über irgendwelche verwinkelten Seitenstraßen oder gar direkt auf der gleichen Spur mit den Autos – nicht gerade das, was den Start in den Tag angenehm machen würde. Das Fahrrad als leistbares und nachhaltiges Mittel zur Mobilität ist für Student_innen in vielen Hochschulen längst unersetzlich – ein stadtplanerisches Umdenken an den Hochschulstandorten ist notwendig, damit nachhaltige, selbstbestimmte Mobilität vorangetrieben werden kann.

Österreichweites Studi-Ticket

Die GRAS hat sich schon in der Vergangenheit in Bezug auf das österreichweite Ticket für Student_innen eingebracht und wird die Verhandlungen mit den zuständigen Ministerien aufrecht erhalten. Dieses Projekt der vergangenen Exekutive muss weitergeführt werden!

Barrierefreiheit

Der Studierendensozialerhebung 2015 zufolge sind etwa 12 Prozent der Student_innen von einer oder mehreren gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffen, die ihr Studium beeinflussen, bei etwa einem Drittel handelt es sich um psychische Erkrankungen. Zwar gibt es rechtliche Grundlagen, die Diskriminierung vorbeugen, es gibt Vertrauenspersonen und sogenannte “Behindertenbeauftragte” und das “Recht auf eine abweichende Prüfungsmethode”, doch sind Diagnosen gerade psychischer Erkrankungen nach wie vor teuer. Viele Barrieren im Studienalltag bleiben unsichtbar, lediglich 16 Prozent der Betroffenen kennen laut Studierendensozialerhebung die Ansprechpersonen an der Hochschule.

Psychotherapie auf Krankenschein

Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene ist die Psychotherapie auf Krankenschein unerlässlich: Die Zahl der Patient_innen, die ihre Therapie aus eigener Tasche zahlt ist in den letzten Jahren immens gestiegen, die kassenfinanzierten Behandlungsbeiträge wurden seit 1992 nicht mehr angeglichen und stagnieren seither unverändert bei 21,80 Euro. Seit 1991 ist Psychotherapie allerdings als Pflichtleistung der Kassen definiert, es wurden auch die Sozialversicherungsbeiträge daraufhin erhöht. Aufgrund der starken Stigmatisierung von psychisch Erkrankten führt dies dazu, dass nicht nur viele Erkrankungen nie diagnostiziert werden, sondern auch nie richtig therapiert werden (können). Für Student_innen ist eine Therapie in vielen Fällen schlicht nicht leistbar.

Notwendig ist dafür ein bundesweiter Rahmenvertrag für kassenfinanzierte Psychotherapie zwischen dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger (HVB) und dem Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP).

Sensibilisierung aller Hochschulangehörigen

Sehr oft wissen auch Lehrende nicht, wie sie mit beeinträchtigten Student_innen umgehen sollen, ohne sie zu stigmatisieren bzw. die Stigmatisierung noch zu verstärken. Gleichzeitig muss vermehrt darauf geachtet werden, dass die Lehre möglichst barrierearm abzulaufen hat: Dabei geht es nicht nur um physische sondern vor allem um unsichtbare Barrieren. Verstärktes Streamen von nicht prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen kann beispielsweise stark dazu beitragen, dass auch Student_innen Lerninhalte zugänglich gemacht werden, die unter chronischen Schmerzen leiden, generell wäre ein größeres sowie leichter zugängliches Angebot an barrierereduzuierten Lernunterlagen z.B.: Audio- und Videoaufnahmen von Lehrveranstaltungen.

Egal, ob es sich dabei um eine körperliche Beeinträchtigung oder eine psychische Erkrankung handelt, Lehrende müssen – wie alle anderen Hochschulangehörigen – verpflichtend dafür sensibilisiert werden, welche Rechte Student_innen mit Beeinträchtigung zustehen und wie Diskriminierung vermieden und vorgebeugt werden kann.

Auf der anderen Seite müssen Betroffene verstärkt über ihre Rechte aufgeklärt werden: Dies beinhaltet breit angelegte, barrierearm gestaltete Informationskampagnen, an denen alle relevanten Akteur_innen einbezogen sind: die Hochschulvertretungen, das jeweilige Rektorat der Universität, Pädagogischen Hochschule oder Privatuniversität bzw. der_die Leiter_in der Fachhochschule sowie Interessensvertretungen für Personen mit Beeinträchtigungen.

Diskriminierung von Student_innen aus Nicht-EU-Staaten

Student_innen aus Ländern außerhalb der EU – sogenannten Drittstaaten – wird das Studieren in Österreich erheblich erschwert. Unzählige bürokratische sowie finanzielle Hürden stehen vor der Aufnahme eines Studiums in Österreich. Im Herkunftsland muss bereits ein Studienplatz vorgewiesen werden, um überhaupt an einer österreichischen Hochschule zugelassen werden zu können. Dass es in Österreich keine einheitlichen Richtlinie, welche festlegen welche Schulabschlüsse als Äquivalente zum österreichischen Maturazeugnis anerkannt werden, ist ein weiteres Problem.

Weitere bürokratische Hürden ergeben sich vor allem aus dem Nachweis von Deutschkenntnissen und aus dem notwendigen Student_innenvisum. Dieses Visum kann erst nach erfolgreicher Zulassung zum Studium beantragt werden. Der Erstantrag muss im jeweiligen österreichischen Konsulat oder der Botschaft gestellt werden, Zulassungsbescheid zur österreichischen Hochschule, Nachweis über eine Wohnmöglichkeit und ein Nachweis über Unterhaltsmittel von bis zu 857,73 Euro monatlich müssen beigelegt sein.

Weg mit den doppelten Studiengebühren!

Auch nach der Zulassung zur Hochschule, hört die Diskriminierung lange nicht auf: Student_innen aus Nicht-EU-Staaten müssen ab dem ersten Semester doppelte Studiengebühren (726,72 Euro) zahlen, während ihre Kolleg_innen aus EU-Staaten an öffentlichen Universitäten vorerst befreit sind. Diese enorme finanzielle Belastung, ergibt, dass die meisten Student_innen aus Drittstaaten nebenberuflich arbeiten müssen – wobei sie am Arbeitsmarkt durch das Ausländerbeschäftigungsgesetz genauso aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden.

Wir fordern: Strukturellen Rassismus abschaffen – weg mit den doppelten Studiengebühren für Student_innen aus Nicht-EU-Staaten!

Gleichberechtigter Zugang zum Arbeitsmarkt und Aufhebung des Leistungsdrucks

Student_innen aus Nicht-EU-Staaten dürfen mittlerweile zwar – egal in welchem Studium – 20 Stunden in der Woche arbeiten, allerdings müssen sie, um ihr VIsum nicht zu verlieren, mindestens 16 ECTS pro Jahr nachweisen. Das heißt die Anforderungen widersprechen sich hochgradig: Student_innen aus Nicht-EU-Staaten müssen ihr Leben in Österreich selbst finanzieren – ohne dabei vollen Zugang zum Arbeitsmarkt zu haben. Wer keine reichen Eltern hat, kann sich ein Studium in Österreich nicht leisten.

Daher: Vollen und gleichberechtigten Zugang zum Arbeitsmarkt für Student_innen aus Nicht-EU-Staaten!

Einrichten von Anlaufstellen, Förderwerkzeugen

Noch immer gibt es kaum Möglichkeiten, an der Hochschule gegen die rassistische Diskriminierung vorzugehen. Zwar kann auch hier der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen herangezogen werden – dort wo er existiert – seine Kompetenzen sind jedoch sehr eingeschränkt. Personen aus Nicht-EU-Staaten müssen an Hochschulen gefördert, nicht diskriminiert werden!

Die GRAS stellt sich gegen Rassismus und fordert das Einrichten entsprechender Stellen, die rassistische Vorfälle an der Hochschule ahnden können sowie eine starke Strategie gegen rassistische Diskriminierung!

Altersdiskriminierung

Der aktuelle Umgang mit Studierenden über 26 suggeriert, dass ab Mitte 20 plötzlich magisch finanzielle Ressourcen aufkommen, die davor nicht da waren. In Wien beispielsweise belaufen sich vor dem 27. Lebensjahr die Kosten für das Öffi-Ticket auf 210 Euro im Jahr (mit Hauptwohnsitz in Wien). Doch der Zugang zum günstigen Semesterticket endet mit dem 26. Geburtstag. Von da an kosten die öffentlichen Verkehrsmittel plötzlich 365 Euro. Gleichzeitig steigen auch andere nicht vermeidbare Kosten wie zum Beispiel Kontoführungskosten. Auch Stipendien fallen plötzlich weg und  Versicherungskosten steigen plötzlich, denn ab dem 27. Lebensjahr kann man nicht mehr bei den Eltern mitversichert werden.

Innerhalb von kurzer Zeit steigen so Kosten für Studierende ab Mitte zwanzig immens. Oft bleibt der einzige Ausweg (mehr) Lohnarbeit. Ohne Lohnarbeit ist das Studium nicht mehr leistbar, aber durch die Lohnarbeit bleiben weniger Zeitressourcen zum Studieren – das Studium verlängert sich.

Abschaffung der Altersgrenzen

Egal ob Öffis oder Sportkurse: Altersgrenzen gehen an der Realität der Student_innen vorbei und erschweren es vor allem jenen, die über den zweiten Bildungsweg an die Hochschule kommen. Wir fordern daher die Abschaffung der Altersgrenzen – ein Student_innenausweis als Nachweis reicht aus!

Wenn du eine laute, kritische und widerständige ÖH willst, musst du von 16. – 18. Mai 2017 die GRAS wählen! Denn wir geben nicht auf. Wir setzen uns hartnäckig für deine Rechte ein – denn du verdienst mehr, als das Mindeste!