Queerfeminismus

Der antifeministische Backlash ist längst zum Mainstream geworden. Egal, ob es um körperliche Selbstbestimmung, um sexualisierte Gewalt, die gläserne Decke, ungleiche Bezahlung oder reaktionäre Rollenbilder geht – wir leben immer noch in patriarchalen Strukturen. So sind weniger als ein Viertel der Professor_innen weiblich*. Dies liegt nicht an einem Mangel an qualifizierten oder motivierten Frauen*, sondern an gesellschaftlich bedingten Hindernissen und Barrieren, die Frauen* den Aufstieg in (gut bezahlte!) Spitzenpositionen an Hochschulen, in der Forschung, ebenso wie in anderen Berufszweigen, verwehren. Gleichzeitig arbeiten Frauen* verstärkt in prekären und unsicheren Arbeitsverhältnissen. Die GRAS steht für eine umfassende und nachhaltige Förderung von FLIT*Personen und gegen Ausschlüsse und Diskriminierung.

 

“Alle sollen sich wohlfühlen, auch die, die sich im binären Geschlechtersystem nicht einordnen können oder wollen. -Marita Gasteiger, GRAS-Spitzenkandidatin

Werkzeug Quote

Nach wie vor ist die Quote das erfolgreichste Förderungswerkzeug. Wenn Quoten an Hochschulen etabliert sind, dann sind sie – beispielsweise in den Kollegialorganen von öffentlichen Universitäten – mit 40% beziffert. Rational argumentierbar ist diese Ungleichheit nicht – und solange es um den Frauenanteil an Hochschulen derart schlecht bestellt ist, auch nicht zielführend. Als GRAS stehen wir nicht nur für theoretische Gleichberechtigung sondern für faktische Gleichbehandlung.

Institutionalisierte Gleichbehandlung statt Gutdünken

Gerade Gleichbehandlung ist ein kaum institutionalisierter Aspekt: An Pädagogischen Hochschulen und Universitäten gibt es zwar die sogenannten Arbeitskreise für Gleichbehandlungsfragen, ihr Handlungsspielraum ist aber gering: Sie haben in Abstimmungen lediglich eine Stimme, kein Veto-Recht, wenn ein Fall von Diskriminierung vorliegt. An Fachhochschulen und Privatuniversitäten sind derartige Institutionen kaum vorhanden, da sie privatrechtlich organisiert sind. Selbiges gilt für Frauenförderungspläne: Dabei handelt es sich um Lippenbekenntnisse der Hochschulen, die den Versuch einer Förderstrategie darstellen. Sanktionen bei Verstößen dagegen, gibt es allerdings keine. Denkbar sind etwa finanzielle Anreize für Hochschulen, die ihre Frauenförderungspläne entsprechend umsetzen.
Wir fordern die Institutionalisierung der Gleichstellungspolitik – an allen Hochschulen!

Habilitation abschaffen!

Die Habilitation ist ein veraltetes System, welches in Deutschland und Österreich und wenigen europäischen Staaten existiert. Sie stellt die volle Lehrbefähigung an der Hochschule dar. Gerade für Lehrende aus dem Ausland bedeutet diese Voraussetzung, dass sie in Österreich erst mal ihre Habilitation machen müssen, ehe sie selbstständig lehren können. Die Universität Wien hielt in ihrer Publikation zum 650-Jahr-Jubiläum klar fest, dass es sich mit der Habilitation um den eklatantesten Bruch in den Karriereläufen von Frauen handelt. Auf den Zahlen von 2010 basierend bedeutet das: Während der Frauenanteil unter Doktoratsabsolvent_innen noch 56% betrug, beträgt er unter bei den Habilitant_innen nur noch 37%.
Wir wollen die Habilitation als Bedingung für gut bezahlte Lehrposten auf der Karriereleiter abschaffen und damit Durchlässigkeit schaffen. Lehre kann und muss schließlich durch andere Kriterien vergeben werden als durch die einmalige Habilitation.

Gender Studies in allen Studiengängen

Für eine egalitäre Gesellschaft ist die Auseinandersetzung mit den ihr immanenten Diskriminierungsformen unerlässlich. Sexismus ist kein Gefühl der Benachteiligung sondern ein strukturelles Phänomen, das sich durch alle Lebensbereiche zieht. Dies aufzuzeigen und dem entgegenzuwirken ist Teil der gesellschaftlichen Aufgabe der Hochschulen. Noch immer sind Gender Studies aber in vielen Studienrichtungen unterrepräsentiert, nur als Wahlfach vorgesehen oder aber gar nicht eingeplant. Umgesetzt wird dies beispielsweise bereits an der Universität Linz.
Eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Thema kann beispielsweise in einer Orientierungsphase ihren Platz finden.

Finanzierung der Gender Studies

Die Akquirierung von Forschungsgeldern, das Weiterführen der Studiengänge mit Bezug zu Gender Studies gestaltet sich immer wieder als schwierig. Letztes Beispiel ist die Publizistik an der Universität Wien, wo mit dem neuen Studienplan die feministische Lehre aus dem Curriculum verbannt wurde. Wir fordern auch in Fragen der Curricula-Gestaltung den Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen hinzuzuziehen, ihn dementsprechend auch mit Geldmitteln auszustatten sowie bundesweite Förderungen spezifisch für Geschlechterforschung zu vergeben.

Sensibilisierung aller Hochschulangehörigen

Durchschnittlich war jede dritte Frau* in der Europäischen Union seit ihrem 15. Lebensjahr schon einmal Opfer von Männergewalt – dies ergab eine Studie der Europäischen Grundrechteagentur 2014. Bei geschlechterbasierter Gewalt, handelt sich um ein gesellschaftliches Phänomen, von dem auch Hochschulen betroffen sind: Unter Beweis gestellt wurde das in den letzten Jahren vermehrt: Egal ob am Juridicum der Uni Wien oder an der WU – alle Hochschulangehörigen müssen dafür sensibilisiert werden, was Grenzüberschreitungen sind, dass sie diese zu vermeiden haben und wie sie damit umgehen sollen, wenn andere dies nicht tun.