Selbstbestimmt studieren: Unsere Vision von Hochschule

Verschulte Studienpläne, zahllose Fristen für Inskriptionen, Aufnahmetests – oder auch nicht – Voraussetzungsketten, Knock-out-Prüfungen – selbstbestimmt ist am aktuellen Hochschulsystem nicht viel. Je nachdem in welchem Sektor wir uns bewegen – ob Privatuniversitäten, Fachhochschulen, öffentliche Universitäten oder Pädagogische Hochschulen – gibt es ganz unterschiedliche Voraussetzungen, die für Student_innen mehr oder weniger Freiheiten, mehr oder weniger Möglichkeiten, aber auch mehr oder weniger Rechte bedeuten.
Die Hochschule ist für die GRAS kein Elfenbeinturm, sondern ein Ort der intensiven Auseinandersetzung auf Augenhöhe, ein Ort der Diskurse und gleichzeitig ein Ort, an dem soziale Mechanismen genauso wirken, wie überall sonst auch. Die Hochschule ist Teil der Gesellschaft und als solcher auch relevant für deren Entwicklung.

Freier Hochschulzugang

Jede_r muss studieren können, wenn er_sie das möchte! Bildung sieht die GRAS als Menschenrecht an – sie muss allen zugänglich sein. Den drohenden Zugangsbeschränkungen der Regierung muss sich eine laute ÖH entgegenstellen. Nach wie vor ist Hochschulbildung in Österreich unterfinanziert: Von den mindestens 2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die laut OECD in die Bildung investiert werden sollen, sind wir noch weit entfernt!
Auch wenn die Regierung noch nicht von flächendeckenden Beschränkungen spricht: Die Verdrängungseffekte werden langfristig dazu führen. Beobachten lässt sich das bereits jetzt in den Fächern Medizin, Pharmazie und Biologie, die nacheinander beschränkt wurden. Eine beinahe unüberwindbare Hürde bedeuten Zugangsbeschränkungen vor allem für Studieninteressierte mit Beeinträchtigung.

“Die geplante Studienplatzwegfinanzierung der Regierung bedeutet flächendeckende Zugangsbeschränkungen. Das werden wir als GRAS nicht zulassen. Es braucht eine ÖH die nicht nur der verlängerte Arm des Ministeriums ist.” – Marita Gasteiger, GRAS-Spitzenkandidatin

Einheitlicher Hochschulsektor: Gleiche Rechte für alle!

Vier Hochschulsektoren, zwei Ministerien – dass das kompliziert wird, ist offensichtlich. Noch schlimmer ist aber, dass studieren nicht gleich studieren ist: Je nachdem an welcher Hochschule du studierst, hast du unterschiedliche Rechte. Fachhochschulen sind beispielsweise privatrechtlich verankert: Student_innen dort haben nicht nur erheblich weniger Rechte als ihre Kolleg_innen an Universitäten, sie müssen diese auch noch privatrechtlich einklagen – was massive finanzielle und zeitliche Ressourcen erfordert. Wir wollen einen einheitlichen Hochschulsektor – gleiche Rechte für alle!

Ausfinanzierte Hochschulen

Sowohl im Koalitionsübereinkommen der rot-schwarzen Regierung als auch in den Empfehlungen der OECD steht seit Jahren die Forderung, 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in Hochschulen zu investieren. Derzeit stehen wir bei etwa 1,4 Prozent. Diese massive Unterfinanzierung hat an den Hochschulen zu dramatischen Entwicklungen geführt: schlechte und veraltete Infrastruktur, kaum Plätze in Seminaren, überfüllte Hörsäle, da nicht genug Parallellehrveranstaltungen angeboten werden können.
Die GRAS fordert die Regierung auf, ihre eigenen Vorsätze endlich umzusetzen und dem entsprechend zumindest 2 Prozent des BIP’s in die Hochschulen zu investieren.

Orientierung im Studium

Wenn Schüler_innen an die Hochschule kommen, wissen sie oft gar nicht, was sie erwartet – woher auch? Die ÖH-Bundesvertretung bietet Beratung, Hilfestellung und Möglichkeiten, verschiedene Studienrichtungen kennenzulernen – doch eine echte Orientierung kann nur Teil des Studiums sein. Die GRAS fordert daher eine Eingangs- und Orientierungsphase, die ihrem Namen auch gerecht wird: nicht, um Student_innen aus dem Studium zu prüfen, sondern um eine Orientierung an der Hochschule zu ermöglichen. Student_innen können in dieser Eingangsphase im Ausmaß von 30 ECTS Lehrveranstaltungen aus verschiedenen Studienrichtungen und auch an verschiedenen Hochschulen absolvieren, die ihnen dann in ihrem Studium angerechnet werden.

Strategie in puncto Durchlässigkeit

Von Büro zu Büro laufen, Unterschriften einholen – abhängig vom Gutdünken der Studienprogrammleitungen, wir kennen es alle. Dabei ist die Anerkennung auch von informellen und non formalen Lernerfolgen ein längst anerkannter Faktor für die soziale Durchlässigkeit an Hochschulen. Um eine dringend notwendige systematische und flächendeckende Strategie der vertikalen (also zwischen zwei Studienabschlüssen) und horizontalen (also zwischen zwei Studienrichtungen) Durchlässigkeit zu erarbeiten, ist ein partizipativer Prozess notwendig, in dem gerade die Erfahrungen der Student_innen eine Rolle spielen müssen.

Didaktik braucht keine Anwesenheitspflicht

Die Lehre an der Hochschule ist der Forschung immer noch untergeordnet. Darunter leidet die größte Gruppe – nämlich die Student_innen. Auch die Einführung des Ars docendi führte nicht zur Aufwertung der Lehre. Lehrende haben grundsätzlich die Möglichkeit, sich in puncto Lehre und Didaktik weiterzubilden, genutzt wird dies nur von wenigen.
Um ein Barometer für die Didaktik zu schaffen, wurde bereits in mehreren deutschen Bundesländern (etwa Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein) die Anwesenheitspflicht grundsätzlich abgeschafft. Ausnahme bilden dort nur noch Lehrveranstaltungen, in denen das Lernziel nur mit Anwesenheit erreicht werden kann – etwa Exkursionen, Seminare, Praktika und Sprachübungen. In Österreich gibt es nach wie vor zahlreiche Lehrveranstaltungen, deren Anwesenheitspflicht grundsätzlich nicht notwendig ist – an Pädagogischen Hochschulen, an Fachhochschulen, aber auch an manchen Universitäten. Wir sind der Auffassung: Didaktik braucht keine Anwesenheitspflicht, selbstbestimmt studieren heißt, auch selbst darüber zu entscheiden, wann, wo und wie ich mir die Inhalte aneignen kann.